Exzellentes Teamwork für Geistesblitze - die linke und die rechte Gehirnhälfte.

Exzellentes Teamwork für Geistesblitze - die linke und die rechte Gehirnhälfte.

Er setzte das Instrument an und durchtrennte den grünen Balken zwischen den beiden Gehirnhälften. Der Mann dessen linke Gehirnhälfte gerade von seiner rechten getrennt wurde, konnte Dinge zwar beschreiben, sie aber nicht benennen. Er konnte mit der linken Hand etwas zeichnen, wusste aber nicht, was es war. 

Ironie? Der Neuropsychologe Roger Sperry, der Patienten das Corpus Callosum durchtrennte, erhielt zur Hälfte den Nobelpreis.

Nein, keine Ironie und auch kein schlechter Scherz oder der zwanghafte Versuch, witzig zu sein. Denn genau dieser Gedanke war es, der mich befiel, als ich über Roger Sperry las.

Denn genau das war der Mann, der Gehirnhälften trennte, um Epilepsie zu heilen, und dabei etwas Erstaunliches entdeckte. Beide Gehirnhälften arbeiten nicht als Einheit, sondern als Dialog, sozusagen im ständigen Austausch.

Dass er nur die Hälfte des Nobelpreises erhielt, lag natürlich daran, dass die Preise manchmal aufgeteilt werden.

Wenn du mich fragts, wer die zweite Hälfte bekam: Ich habe keine Ahnung und ich bin ehrlich zu faul das zu recherchieren. :)


Der größte Kreativitäts-Mythos: links logisch, rechts kreativ.

Du kennst es:

„Ich bin eher linksgehirnig – Zahlen, Struktur, Logik.“

„Ich bin rechtsgehirnig – kreativ, chaotisch, intuitiv.“


Doch so einfach ist es nicht.

Natürlich gibt es funktionale Schwerpunkte und die rechte Gehirnhälfte kann uns extrem beim Zeichnen unterstützen, aber Kreativität entsteht nicht nur in einer Hälfte, sondern in beiden zusammen.


Was die linke Gehirnhälfte wirklich tut:

  • Sprache und Begriffe
  • Analyse und Reihenfolge
  • Ursache–Wirkung
  • Struktur, Planung, Logik


Sie fragt:

  • Was ist das?
  • Wie funktioniert es?
  • In welcher Reihenfolge?

Ohne die linke Gehirnhälfte könntest du:

  • deine Idee nicht erklären
  • sie nicht umsetzen
  • sie nicht strukturieren
  • sie nicht kommunizieren

Sie ist nicht der Feind deiner Kreativität.

Sie ist ihr Werkzeug.


Was die rechte Gehirnhälfte wirklich tut:

  • Ganzheitliche Wahrnehmung
  • Bilder, Formen, Räume
  • Emotionen und Stimmungen
  • Intuition und Assoziationen


Sie fragt:

  • Wie fühlt sich das an?
  • Was passt zusammen?
  • Was könnte noch sein?


Hier entstehen:

  • Bilder
  • Metaphern
  • Innere Szenen.
  • Das „Gefühl“, dass etwas stimmt oder nicht.

Ohne die rechte Gehirnhälfte gäbe es keine Vision.

Aber ohne die linke – kein Ergebnis.


Kreativität entsteht zwischen den Hemisphären.

Das Entscheidende ist nicht, welche Hälfte stärker ist.

Sondern wie gut sie miteinander sprechen.

Der Balken zwischen ihnen – das Corpus Callosum – ist wie eine Brücke.

Je freier der Verkehr, desto kreativer der Mensch.

Wie bei einem Stau, fahren alle planlos durch die Gegend, blockiert alles und es fließt nur noch zäh.

Probleme entstehen, wenn:

Die linke Seite dominiert → Perfektionismus, Blockade.

Die rechte Seite dominiert → Ideen ohne Umsetzung.

Viele Menschen fühlen sich „unkreativ“, weil sie sich und ihre Ideen zu früh bewerten.

Wenn dir das auch schon passiert ist, das ist deine linke Gehirnhälfte, die zu früh das Steuer übernimmt.


Sperry erkennt:

Die beiden Gehirnhälften haben unterschiedliche Zugänge zur Realität.

Die linke Seite erzählt Geschichten.

Die rechte erlebt.

Wenn der Balken fehlt, fehlt der Austausch. Wie in Köln die Brücken. Gibt es keine Brücken mehr, kommt die Hälfte nicht nur Arbeit.

Und genau das passiert auch im Alltag – symbolisch gemeint.

Wir unterbrechen den Dialog.


Warum bei manchen die Kreativität so blockiert ist.

Unser moderner Alltag trainiert vor allem:

  • Analyse
  • Effizienz
  • Bewertung
  • Vergleich

Die linke Gehirnhälfte läuft im Dauerbetrieb.

Die rechte bekommt selten Raum:

  • Stille.
  • Bewegung ohne Ziel.
  • Freies Zeichnen.
  • Zielloses Denken.
  • Und dann wundern wir uns, warum nichts fließt.

Wie der Motor, mit dem du die ganze Zeit im Stau stehst, aber nie Öl oder Wasser nachfüllst. Irgendwann läuft der Motor heiß. Mit deinem Gehirn ist es dasselbe.


Der Maler Wassily Kandinsky schrieb:

„Das innere Bedürfnis ist die einzige Quelle der Kunst.“


Dieses innere Bedürfnis kommt nicht aus der Analyse.

Es kommt aus Wahrnehmung.

 

Wenn das Gehirn zusammenarbeitet – Flow Zustände.

In Flow-Zuständen passiert etwas Spannendes:

Die rechte Hemisphäre liefert Bilder, Impulse, Gefühle.

Die linke setzt um – ohne zu kontrollieren oder zu bewerten. Wenn du jemals längere Zeit an einem Bild oder Text gearbeitet hast, weißt du, was ich meine.

Dein Zeitgefühl verschwindet.

Das ist kein Zufall, sondern Neurobiologie. (Aber sehr komplex, also nagel mich nicht fest. Ich bin leider kein Experte.)

Erschöpfung kommt nicht vom reinen Tun. Frag dich mal, wann dein Gehirn sich ausgelaugt fühlt.

Erschöpfung kommt vom inneren Widerstand.

Wenn die linke Gehirnhälfte ständig fragt:

  • Ist das gut genug?
  • Bringt das was?
  • Was denken andere?

wird die rechte still.

Kreativität versiegt nicht, sie wird unterbrochen.


Der Künstler Pablo Picasso sagte:

„Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.“


Alltagsnahe Wege, beide Gehirnhälften zu verbinden.

Du brauchst kein Training.

Keine Technik.

Kein Programm.

Nur kleine Verschiebungen:

  • Nimm erst etwas wahr, bevor du es bewertest.
  • Spiel erst mit deiner Idee rum, bevor du sie strukturierst.
  • Lass erst Gefühle aufkommen, bevor du sie benennst.


Skizzieren ohne Ziel – zum Beispiel Urban Sketching.

Schreiben ohne Löschen – zum Beispiel Bilder beschreiben.

Fotografieren ohne Auswahl – einfach machen. Ohne Instagram Anspruch.

Die linke Gehirnhälfte darf später dazu kommen.

Sie ist geduldig – wenn man sie lässt und es ihr verspricht.


Es gibt dazu ein fantastisches Zeichenbuch:

„Garantier zeichnen lernen“ – von Betty Edwards. Dort werden die Mechanismen der linken und rechten Gehirnhälfte näher erläutert, ohne das es in wissenschaftliche Vorträge mündet.

Wenn du Zeichnen und Wissen miteinander verknüpfen willst, kann ich dir das Buch nur sehr ans Herz legen.


Und zu guter Letzt habe ich noch ein schlaues Zitat für dich.

Ich liebe Zitate.


Leonardo da Vinci:

„Studieren ohne Verlangen verdirbt das Gedächtnis.“

 

Bis bald, deine Anni.