„Unsere Währung ist Ansehen. Du lebst ein ehrbares Leben, wenn du es nicht verschwendest. Und du kannst alles werden, was du Dir vorstellen kannst.“
So ungefähr erklärt Kelly Grayson (gespielt von Adrianne Palicki) in der letzten Folge, Staffel 3 einer neuen Kollegin die Regeln der Planeten Union. Ich spreche von der Serie: „The Orville.“
Die Serie entstand aus einer Hommage an Star Trek, hat sich aber schnell zu etwas Eigenem entwickelt.
Ich mag diese Serie sehr gerne und zum ersten Mal stieß ich in der Unterhaltungswelt auf eine Geschichte, in der das Fehlen jeglicher Währung als Tauschmittel thematisiert wird.
Es gibt dort kein Geld. Die Währung der Planeten Union ist Ansehen. Menschen oder andere Völker können dort Künstler, Musiker, Wissenschaftler, Lernende auf Lebenszeit oder Autoren werden. Das typische Modell, was viele Künstler praktizieren – Brotjob zum Leben und Kunst nebenbei – existiert dort nicht.
Jeder bekommt von Anfang an die gleichen Chancen. Das ist eine der Tatsachen, die diese Struktur interessant machen.
Warum tun wir Menschen uns das eigentlich an? Wir haben das Geld erschaffen, also könnten wir es auch abschaffen. Aber das werde ich wohl nicht mehr erleben.
Eine Welt ohne Geld. Ich vermag es mir nicht einmal Ansatzweise vorzustellen, wie sehr sich die Welt ohne Geld verändern würde.
Gäbe es keine Kriege mehr? Nur noch ehrliche Politik?
Wissenschaft ohne Gedanken an Profit?
Doch wie würde sich die Welt nur für einen einzigen Menschen verändern? Jemanden, der Träume hat, Künstler oder Autor zu werden, aber finanziell passt es vorne und hinten nicht. Wenn in unserem reichen Land Menschen schon an der Armutsgrenze ums finanzielle Überleben kämpfen, wie sollen andere Menschen dann ehrliche und reine Chancen bekommen?
Wie viele Kunstwerke schlummern in diesen Seelen? Wie viele Bestseller werden nie geschrieben?
Natürlich ist daran nicht nur das Geld schuld. Und ich will auch nicht Geld verteufeln und als das Ganze Übel dieser Welt abtun.
Aber wieso laufen Pilotprojekte für „Grundeinkommen“ die aus Spenden finanziert werden? Wieso gibt es Stipendien, die für fleißige Künstler vergeben werden?
Ist es nicht so, dass ohne den Druckfaktor „Geld zum Leben“ Kunst freier atmen könnte?
Was würdest du tun? In einer Welt, wo Geld plötzlich unwichtig wäre? Auf dem Sofa deine Zeit absitzen? Oder würdest du endlich das tun, was du schon immer tun wolltest?
Würde sich die Kunst verändern? Würden Künstlerinnen mehr ihre eigene Kunst machen und weniger „den Markt“ bedienen oder angeblichen Trends hinterherlaufen? Oder tun die Künstlerinnen das nicht schon?
Spannende Fragen, die wir uns nicht beantworten können. Vielleicht eine unserer nachfolgenden Generationen.
Ich habe diese Fragen nicht nur mir selbst gestellt, sondern sie an eine Kollegin weitergegeben und sie um ein Statement gebeten.
Ich möchte dir Ilona Nowak vorstellen, eine sympathische Künstlerin, die sehr intuitiv malt. Ihr Lebenslauf gestaltet sich ähnlich wie meiner → sehr bunt und vielseitig, was mir am liebsten ist.

Wie du hier sehen kannst, hat sie faszinierende Werke auf ihrer Seite, den Link dazu findest du am Ende des Beitrags.
Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.
Doch nun lasse ich sie selbst sprechen und verabschiede mich - Deine Anni.
Ilona Nowak:
„Würde ich anders malen, wenn es kein Geld gäbe? Ganz klar: nein.
Meine Bilder entstehen intuitiv, aus dem Moment heraus und weitgehend, ohne dass ich meinen Verstand bewusst einbeziehe. In ihnen zeigt sich mein Inneres – das, was mich ausmacht, was mich bewegt und was mich beschäftigt.
Hat das mit Geld zu tun, etwa in Form von Existenzängsten oder anderen Sorgen, die meine Kreativität beeinflussen könnten? Ich glaube nicht. Ich bin im Frieden mit dem, was das Leben mir bietet.
Vielleicht würde ich mehr meiner Werke einrahmen, anstatt sie in Mappen aufzubewahren – das könnte gut sein. Und kürzlich hätte ich mir vermutlich statt der Buntstifte mittlerer Qualität die hochwertigeren Polychromos von Faber-Castell angeschafft.
Da ich jedoch hauptsächlich mit selbst hergestellten Pigmenten aus gesammelten Steinen und Erden male, spielt der Preis in dieser Hinsicht für mich kaum eine Rolle. Und auch bei meinem Malgrund steht für mich die Qualität stets über dem Preis.
Wie verhält es sich mit meinem Kunstkonsum? Würde ich häufiger Museen oder Ausstellungen besuchen? Nein – wenn ich eine Ausstellung sehen möchte, spielt der Eintrittspreis für mich keine Rolle. Das Einzige, worauf ich bislang verzichtet habe, sind Besuche von Kunstmessen; deren Eintrittspreise empfinde ich meist als überhöht.
Tatsächlich hätte ich im Laufe meines Lebens sehr viel mehr Konzerte unterschiedlichster Art besucht, denn die Eintrittspreise für solche Veranstaltungen sind oft sehr hoch. Und ich bin überzeugt, dass weit mehr Menschen Museen besuchen oder Konzerte erleben würden, wenn Geld dabei keine Rolle spielte.
Zusammenfassend würde ich sagen: Meine Kunst würde sich nicht verändern – wohl aber mein Konsum von Kunst. Und vermutlich ginge es vielen anderen Menschen ebenso.
Bei Interesse an mir und meiner Kunst: www.natuerlich-malen.de“